Indianischer Patriot Tatanka Iyotanka: Durch die Amerikaner belogen, betrogen und ermordet

Indianischer Patriot Tatanka Iyotanka: Durch die Amerikaner belogen, betrogen und ermordet

Über den Geburtsort von Lakota-Häuptling Tatanka Iyotanka (englisch Sitting Bull, 1831-1890) wird heute noch gerätselt. Die einen vermuten diesen am Grand River im heutigen South Dakota, die anderen nahe dem Bergmassiv der Black Hills (Paha Sapa) im heutigen Montana. Er gehörte der Gruppe der HunkpapaLakota an und entstammte einer Familie, zu der viele Häuptlinge und Schamanen gehört hatten. Als Kind wurde er Springender Dachs gerufen. Nach seinem ersten erfolgreichen Kampf gegen Krähenindianer (Crows) erhielt er 1845 mit 14 Jahren von seinem Vater den Namen Tatanka Iyotanka.[1] In unzähligen Gefechten mit den Stämmen der Krähen, den Flatheads und den Assiniboine bewies er seinen Mut. Seine Hauptwaffe war die Lanze. Dank seinem Mut wurde er nicht nur zu einem anerkannten Krieger, sondern sehr bald zum Häuptling gewählt. Mit seinen Visionen und seinen Zwiegesprächen mit Wakantanka (Gott) wurde er Seher und Schamane.[2]

1850 wurde den Hunkpapa und Tatanka Iyotanka die Gefahr, die für sie von den Wasichus (Weissen) ausging, bewusst. Erst jetzt entstand der Widerstand der Lakota gegen diese neue Bedrohung.[3] Die ersten Begegnungen mit den Weissen erfolgten beim Aufsuchen von Handelsposten wie Fort Pierre. Das Ergebnis war der Kauf von schlechtem Whisky und die Ansteckung mit Epidemien wie Cholera, Pocken, Masern und Grippe.[4] Aufgrund der Zunahme von weissen Siedlern in Oregon und Kalifornien versuchte Washington D.C. 1851 durch eine Zusammenkunft in Fort Laramie, die Präriestämme der Sioux, Cheyenne, Arapahos, Shoshones, Crows, Assiniboines, Arikaras, Mandans und Hidatsas von Angriffen auf die Siedlerkonvois vertraglich abzuhalten.[5] Dieser Versuch scheiterte. In zunehmenden Massen stiess die US Army mit Kontingenten in Gebiete vor, die von den Präriestämmen beansprucht wurden. 1857 wurde Tatanka Iyotanka durch die Hunkpapa nicht nur als Seher und Schamane sondern auch als Kriegshäuptling anerkannt.

1862 wurde Gold am Missouri entdeckt. Nun strömten Goldsucher in die neuentdeckten Goldfelder. Da die Gebiete nördlich des Missouri für die Weissen immer wichtiger wurden, errichtete die US Army 1862/63 Forts in diesem Gebiet. Nun kam es zu bewaffneten Zusammenstössen zwischen der Army und den Lakota und den Dakota in Minnesota.[6] Gegenüber der Feuerkraft der Artillerie der US-Einheiten konnten die Sioux wenig ausrichten.[7] In den Gefechten mussten die Lakota ihre Dörfer aufgeben. Die Soldaten zerstörten Tipis und Wintervorräte.[8] Seit 1861 führte Tatanka Iyotanka den Widerstand der Lakota gegen die Weissen und die US Army.1864 metzelte Colonel John M. Chivington in Colorado ein Dorf friedlicher Cheyenne nieder. Dadurch heizte er den Widerstand der Lakota und Cheyenne gegen die Weissen an.

Unter Führung des Kriegshäuptlings Red Cloud (Makpiya Luta, 1822-1909) griffen die Lakota Stützpunkte der Army an.[9] Dazu gehörten die Forts Phil Kaerny and C.F. Smith am Powder River. Unter der Führung des Oglala-Kriegshäuptling Crazy Horse (Tashunka Witko, 1840-1877) wurde im Dezember 1866 das Detachement von Captain Fetterman beim Fort Phil Kearny vernichtet.[10] Als Folge des Krieges von Red Cloud wurde die US-Regierung im Vertrag von 1868, der in Fort Laramie abgeschlossen wurde, gezwungen, die erwähnten Forts zu räumen. Gleichzeitig wurde den Sioux die grosse Sioux Reservation (Great Sioux Reservation) als Territorium zugesichert. Diese umfasste das Territorium des heutigen Bundesstaates South Dakota. Ein Drittel der Lakota lehnte den Friedensvertrag ab und verblieb ausserhalb der Reservation in jenen Gebieten, die den Lakota für ihre Jagd auf die Bisons zugesichert worden waren. Zu diesen Lakota gehörten die Hunkpapa unter Tatanka Iyotanka. Auf Betreiben seines Onkels wurde er zum Oberhäuptling der freien Lakota, die ausserhalb der Reservation siedelten, gewählt.[11] Crazy Horse schloss sich mit seinen Oglala Tatanka Iyotanka an. Red Cloud und Tatanka Iyotanka wurden unter den Lakota zu politischen Rivalen.[12]

Ab Beginn der 1870er Jahre gelang es den freien Lakota von kanadischen Métis (Abkömmlinge von Indianerfrauen und frankokanadischen Pelzhändlern) moderne Repetiergewehre zu erwerben.[13] In den Gebieten der freien Lakota erschienen Landvermesser, die durch Armeeeinheiten geschützt wurden. Aufgrund der Vermessungen sollte die Streckenführung der Northern Pacific Railroad im Norden gebaut werden. Die Folge waren wieder Gefechte zwischen der Army und den Lakota. Bei einem Hearing vor dem Kongress im März 1873 bezeichnete General William Tecumseh Sherman (1820-1891)[14] den Bau dieser Eisenbahnlinie als nationales Projekt, das auf den Widerstand der kriegserprobten Lakota stossen würde.

Am 20. Juni 1873 erschien im Gebiet der Lakota (Yellowstone River) eine Gruppe von Landvermessern, die durch das 7. Kavallerieregiment (Seventh Cavalry Regiment) unter dem Kommando von Lieutenant Colonel George Amstrong Custer (1839-1876)[15] eskortiert wurde. Erst am 11. August griffen Lakota unter Tatanka Iyotanka Kavallerie- und Infanterieeinheiten an. Der Bau der Northern Pacific Railroad wurde nicht durch die Indianer unterbrochen, sondern durch die Panik von 1873 an der Wall Street. Der Unterbruch dauerte 6 Jahre.[16]

Entgegen den Erwartungen von Sherman brach der «Great Sioux War» nicht aus Die Generäle wollten deshalb die Sioux zum Krieg provozieren. Nachdem ein bedeutender Teil der Lakota in die Reservation, die mit Zustimmung von Red Cloud geschaffen worden war, zogen, wurde im Westen das Gerücht verbreitet, dass im Gebirge der Black Hills Gold war. Für die Lakota waren die Paha Sapa der Mittelpunkt der Welt, über die mit Wakantanka gesprochen wurde.[17] Tatanka Iyotanka sah die wildreichen Black Hills als eine Reserve für Notzeiten an. Die Black Hills waren im Vertrag von 1868 explizit den Lakota zugesprochen worden. Der Kommandeur des Departments Missouri, Lieutenant General Philip Sheridan (1831-1888)[18], beauftragte Lieutenant Colonel mit seinem 7th Cavalry Regiment und Prospektoren die Blacks Hill zu erkunden und Goldvorkommen zu erfassen. Am 1. Juli 1974 verliess das Detachement Fort Lincoln. Bereits am 2. August verfasste Custer aufgrund der Nachrichten seiner Prospektoren einen vertraulichen Bericht über das fruchtbare Land und die Goldvorkommen in den Black Hills. Der vertrauliche Bericht war für Sheridan bestimmt. Merkwürdigerweise gelangte der Bericht an die Presse und löste einen Goldrausch aus. Der Zustrom von Weissen in die Black Hills war ein Bruch des Vertrages von 1868 mit Red Cloud.

General Philip Henry Sheridan, der «Indianerschlächter»

Im Frühjahr 1875 strömten Tausende von Goldsuchern in die Black Hills. Die Armee tat nichts dagegen. Eine Kommission der Regierung bot Red Cloud für die Schürfrechte in den Black Hills 6 Millionen US-Dollar pauschal oder 400’000 US-Dollar jährlich.[19] In Anbetracht des Wertes der Goldvorkommen in den Black Hills, die auf 500 Millionen US-Dollar geschätzt wurden, lehnte Red Cloud das Angebot ab. Die Regierung in Washington DC entschied die Lakota zu enteignen und die noch freien Präriestämme in die Reservate umzusiedeln.

Den freien Stämmen wurde Ende 1875 ein Ultimatum gestellt, bis zum 31. Januar 1876 zu kapitulieren und sich in die Reservationen in Dakota und Montana einzufinden.[20] Ein Ultimatum, dass die Prärieindianer, die zu diesem Zeitpunkt in ihren Winterlagern waren, gar nicht erfüllen konnten. General Sheridan in seinem Hauptquartier in Chicago wurde mit dem Krieg beauftragt. Gemäss seinem ursprünglichen Plan sollte die Offensive gegen die Lakota von Tatanka Iyotanka und Crazy Horse am 1. Februar 1876 einsetzen. In einem Winterfeldzug sollten die Stämme durch einen dreifachen Zangenangriff vernichtet werden.[21]

Mit der Ausführung des Operationsplanes wurden zwei Brigadier General und ein Colonel beauftragt: Brigadier General George Crook (1829-1890)[22] mit 1’000 Soldaten und 175 indianischen Söldnern musste von Fort Fetterman (heute Wyoming) Richtung Norden, Brigadier General Alfred H. Terry musste von St. Paul Richtung Westen und Colonel John Gibbon (1827-1896) musste mit dem 7th Infantry Regiment Richtung Osten vorstossen und das Lager der Lakota von Tatanka Iyotanka am Rosebud River mit 3’000 Menschen, davon 800 Krieger, angreifen und vernichten.[23] General Terry war Lieutenant Colonel Custer mit dem 7th Cavalry Regiment unterstellt. Aufgrund der winterlichen Verhältnisse wurde die Ausführung auf das Frühjahr verschoben.

Durch die verschiedenen Stämme im Lager wurde Tatanka Iyotanka zum Oberhäuptling ernannt. Der eigentliche Anführer war aber Crazy Horse. Durch den Zuzug aus der Reservation wuchs der Bestand des Lagers auf 7’000 bis 10’000 Menschen und damit auf über 1’800 Krieger an.[24] Das Lager wurde am Westufer des Little Bighorn errichtet. Am 17. März 1876 griff die Vorhut von Crook mit 6 Schwadronen ein friedliches Lager an. Nach dem Verbrennen der Tipis wurde die Vorhut von Crook bei ihrem Rückzug angegriffen und verlor dabei die gesamte Beute. Aus dem Operationsplan von Sheridan wurde ein Sommer-Feldzug.

Am 17. Juni 1876 stiessen 1’000 Krieger der Lakota, Cheyenne und Arapaho unter der Führung von Crazy Horse auf die indianischen Söldner und die Vorhut von Crook. Durch geschicktes Manövrieren gelang es Crazy Horse die amerikanischen Streitkräfte zurückzudrängen. Crook kehrte zu seinem Stützpunkt am Goose Creek zurück und wartete dort auf Verstärkung. Vom Rosebud River kehrten die Lakota und ihre Alliierten zum Little Big Horn zurück.

Am 24. Juni berichteten Späher der Lakota das Nähern des Regimentes von Custer. Am nächsten Tag wussten die Häuptlinge, dass Custer und seine Leute auf den Little Big Horn zuritten. Aufgrund der Vision von Tatanka Iyotanka waren die Krieger überzeugt, dass sie über Custer siegen würden.[25] Dieser hatte vor dem Angriff sein Regiment in drei Teile aufgesplittert. Major Reno führte ein Bataillon, er selbst kommandierte 5 Schwadronen und Captain Benteen unterstellte er die Versorgungseinheit.

Am Morgen des 25.6.1876 griff Major Reno das Lager im Süden mit den Tipis der Hunkpapa und Blackfeet an. Durch den Widerstand der Hunkpapa unter Tatanka Iyotanka blieb der Angriff von Reno stecken. Mit Müh und Not konnte er die Gegenangriffe der Indianer abwehren und sich mit den überlebenden Kavalleristen zurückziehen.[26]

Custer richtete seinen Angriff auf die nördliche Seite des Lagers. Die Häuptlinge waren alarmiert. Hunderte von Kriegern sammelten sich für den Gegenangriff. Der Hunkpapa-Kriegshäuptling Gall führte mit seiner Streitmacht einen Frontalangriff auf die Schwadronen von Custer. Crazy Horse griff von der Flanke an und der Kriegshäuptling Two Moon setzte zu einem Umfassungsangriff an. Die Schwadronen waren nun umzingelt.[27] Die Kavalleristen stiegen ab, nahmen Deckung und versuchten sich teilweise hinter ihren Tieren zu verschanzen. Die Schlacht wurde zu Einzelkämpfen. Die Kavalleristen kämpften bis zum letzten Mann. Custer leitete den letzten Widerstand am Calhoun Hill.[28] Die Niederlage von Custer dürfte das Ergebnis der Fehlbeurteilung und Überheblichkeit der US-Generäle gewesen sein. Während die Disziplin und der Zusammenhalt der Kavalleristen zerfiel, kämpften die indianischen Krieger dank ihrer zahlenmässigen Überlegenheit für den Schutz ihrer Frauen und Kinder. Bis zum Ende der Schlacht verfolgte Tatanka Iyotanka den Verlauf der Kriegshandlungen.

Schlacht am Little Big Horn vom 25.6.1876

Nach der Schlacht plünderten Frauen die Gefallenen. Angesichts der nicht mehr vorhandenen Munition beschloss der Kriegsrat das Lager aufzulösen. Die Verbände von Crook, Terry und Gibbon mit Pfeil und Bogen anzugreifen, wäre sinnlos gewesen. Die Stämme trennten sich in verschiedene Richtungen. Unterdessen wurden durch Drohungen Red Cloud und die anderen Häuptlinge zur Abtretung der Black Hills gezwungen.[29] Die Hunkpapa von Tatanka Iyotanka führten gegen die Streitkräfte von Crook Rückzugsgefechte. Am 22. September 1876 traf sich der Häuptling mit Colonel Nelson Appleton Miles (1839-1925).[30] Die Verhandlungen scheiterten. Mit 3’000 Gefolgsleuten setzte er sich nach Kanada ab.[31]

Am 27.4.1877 überredete Red Cloud Crazy Horse und seine Oglala zur Aufgabe, die in Fort Robinson stattfand.[32] Von dort aus zog er in die Reservation am Powder River. Da die Armee junge Krieger für Einsätze gegen die Nez Percé anwarb, wollte er aus Protest dagegen zum Powder River zurückkehren. Seine Absicht wurde an General Crook verraten. Dieser liess ihn verhaften. Er wurde der indianischen Polizei der Reservation übergeben. Offenbar auf Befehl des Kommandos der US Army stach ihn der Private William Gentles bei der Verhaftung mit dem Bajonett in den Bauch. Am 6.9.1877 starb der berühmteste und erfolgreichste Häuptling der Oglala im Alter von 37 Jahren.[33] Seine Eltern nahmen seinen Leichnam mit und begruben diesen an einem Ort, der bis heute geheim geblieben ist.

Alberta-Provinz, Kanada

In Kanada erhielt Tatanka Iyotanka von der Royal Canadian Mounted Police Schutz. Mit Nahrungsmittel und Bekleidung wurden aber er und seine Leute nicht versorgt. Deshalb zogen mehr hungrige Familien in die USA. Nicht nur in der amerikanischen Prärie, sondern auch in Kanada gab es sehr bald kein Wild mehr, von dem sich die Hunkapa ernähren konnten. Das Wild in der Prärie wurde immer rarer. Die riesigen Bisonherden wurden in den USA gezielt ausgerottet.[35]

Tatanka Iyotanka bat die kanadische Regierung um eine eigene Reservation. Mit dem Argument, dass er und seine Leute keine kanadischen Indianer seien, wurde diese Bitte abgelehnt. Angesichts des Drängens der kanadischen Regierung zog er mit 186 Gefolgsleuten in die USA und ergab sich am 19.7.1881 in Fort Buford an Missouri. Seine Kleidung war zerfetzt und abgetragen. Während seine Anhänger zur Agentur von Standing Rock verfrachtet wurden, brach die Army ihr Amnestieversprechen und internierte ihn als Kriegsgefangenen 1882 in Fort Randall.

Beinahe kein Wild mehr in der Prärie von Wyoming

Durch Drohungen eingeschüchtert sollten zu dieser Zeit die Lakota der Aufteilung der Grossen Sioux Reservation zustimmen. 1883 wurde diese Planung aber durch eine andere Regierungskommission vorderhand sistiert.

Der Häuptling wurde aus der Haft entlassen und zur Hunkpapa-Reservation Standing Rock verlegt.[36] Dort war er mit dem autoritären Agent James McLaughlin konfrontiert. Von Beginn an versuchte dieser den Einfluss des Häuptlings zu schmälern. So setzte er Gall von den Hunkpapa und John Grass als rivalisierende Häuptlinge ein. Trotz vieler Kränkungen gelang es McLaughlin nicht, das Ansehen von Tatanka Iyotanka bei seinem Volk als Anführer, Seher und Schamane zu schmälern. Froh war McLaughlin als Buffalo Bill Cody 1885 den Häuptling zu einer Show quer durch die USA und Kanada einlud. Nach dem Ende der Reise kehrte der Häuptling nach Standing Rock zurück und nahm seine alte Stellung ein.[37]

1888 versuchte eine neue Kommission die Grosse Reservation in sechs kleinere aufzuteilen und das restliche Land zur Besiedlung freizugeben. Am Widerstand des Häuptlings scheiterte dieses Vorhaben. Im Mai 1889 wurde eine neue Kommission unter der Leitung von General Crook eingesetzt. Red Cloud und Tatanka Iyotanka leisteten der Aufteilung Widerstand. Crook wandte sich an McLaughlin, der John Grass zur Unterzeichnung überredete. An der letzten Sitzung vom 3.8.1889 versuchte der Häuptling wieder, seinen Einfluss geltend zu machen, aber John Grass und seine gekauften Mitverschwörer unterzeichneten. Die Grosse Sioux-Reservation wurde in kleine Schutzgebiete aufgeteilt, die bald von weissen Siedlern und Zuwanderer umgeben wurden.

Am 9.10.1890 besuchte der Minneconju-Lakota-Häuptling Kicking Bear von der Cheyenne-River-Reservation Tatanka Iyotanka und erzählte ihm von Wovoka, dem Messias der Pah-Ute und der Geistertanz-Religion (Ghost Dance). Tatanka Iyotanka war skeptisch, erlaubte aber seinen Leuten am Geistertanz teilzunehmen. Am 16.10.1890 wurde Kicking Bear auf Befehl von McLaughlin aus der Reservation entfernt. Nun hatten die Intrigen von McLaughlin keine Grenzen mehr. Er behauptete gegenüber dem Kommissar für Indianische Angelegenheiten, dass der Häuptling die treibende Kraft hinter der Bewegung sei und dass er ins Militärgefängnis gebracht werden sollte. Die Regierung lehnte diese Aktion zuerst ab. Erst als die Bewegung Mitte November an Intensität zunahm, erstellt das Indian Bureau in Washington eine Liste mit den Unruhestiftern. Diese Liste erhielt General Miles, der Tatanka Iyotanka als Hauptunruhestifter ansah, der aus der Reservation zu entfernen war.

Nachdem durch eine Intrige von McLaughlin eine friedliche Einvernahme des Häuptlings in Standing Rock durch seinen Freund Buffalo Bill Cody scheiterte, befahl General Miles am 12. Dezember dem Kommandanten von Fort Yates, Lieutenant Colonel Drum, den Häuptling festzunehmen. Am 15. Dezember 1890 umzingelten 43 Indianerpolizisten, die teilweise betrunken waren, das Haus des Häuptlings. 5 km davon entfernt war eine Schwadron mit 100 Kavalleristen, ausgerüstet mit schnell feuernden Gatling-Kanonen, für die Niederschlagung eines Aufstandes bereit. Der Chef der Polizisten, Bull Head, erklärte dem Oberhäuptling, dass er sein Gefangener sei. Sein Stellvertreter Red Tomahawk bemerkte, dass wenn er sich wehren würde, er zu einem toten Mann würde. Der Häuptling wollte zuerst freiwillig mitgehen. Die Geistertänzer leisteten Widerstand. Dieser wurde durch die Polizisten mit Gewalt beantwortet. Bull Head wurde dabei angeschossen. Er schoss dem Häuptling in den Rücken. Red Tomahawk schoss anschliessend dem Häuptling in den Kopf. Verschiedene Geistertänzer und Polizisten wurden getötet. Nur das Eingreifen der Kavalleristen rettete die Polizisten. Auf Befehl des sterbenden Bull Head erschoss Red Tomahawk auch noch den Sohn des Häuptlings, Crow Foot. Der auf Befehl von McLaughlin ermordete Oberhäuptling Tatanka Iyotanka wurde in einem Winkel des Lagerfriedhofs von Fort Yates verscharrt und mit Kalk übergossen.[38] Später wurde seine Leiche exhumiert. Bis heute ist aber nicht klar, wo er wirklich begraben ist.

Nach der Ermordung des Oberhäuptlings liess General Miles durch ein Detachement der 7th Cavalry, ausgerüstet mit Hotchkiss-Maschinengewehren, am 29. Dezember bei Wounded Knee 200 wehrlose Frauen, Kinder und Greise der Minneconju-Lakota masskarieren. Die Prärie der stolzen Lakota gehörte von da an den Weissen.

Die Prärie bietet heute ein trostloses Bild. Nach dem Scheitern der Landwirtschaft der weissen Farmer im letzten Jahrhundert ist sie heute menschenleer.

Wo sind die Lakota geblieben?

Die Prärie dient heute als Abfallgrube.

Littering in der Prärie

Die Humanität des Häuptlings kann an seinem Gebet ermessen werden, dass er vor der Schlacht am Little Big Horn mit den US-Kavalleristen an Wakantanka richtete:[39]

«Wakantanka, pity me. In the name of the tribe I offer you this peace-pipe. Wherever the sun, the moon, the earth, the four points of the wind, there you are always. Father, save the tribe, I beg you. Pity me. We want to live. Guard us against all misfortunes or calamities. Pity me. »

 

[1] Utley, R.M., The Lance an The Shield, The Life and Times of Sitting Bull, Ballantine Books, New York, 1993, S. 15.

[2] Utley, R.M., S. 27.

[3] Utley. R.M., S. 37.

[4] Utley, R.M., S. 39/41.

[5] Utley, R.M., S. 43.

[6] Utley, R.M., S. 53.

[7] Utley, R.M., S. 59.

[8] Utley, R.M., S. 62.

[9] Utley, R.M., S. 66.

[10] Utley, R.M., S. 87.

[11] Utley, R.M., S. 85.

[12] Utley, R.M., S. 89.

[13] Utley, R.M., S. 102.

[14] Dupuy, T.N., Johnson, C., and D.L. Bongard, The Harper Encyclopedia of Military Biography, Castle Books, Edison, New Jersey, 1992, P., 680/681.

[15] Dupuy, T.N., et al, S. 204/205.

[16] Utley, R.M., S. 114.

[17] Mauer, K., Das neue Indianer Lexikon, Die Macht und Grösse der Indianer bis zu ihrem Untergang, Langen Müller, München, 1994, S. 288.

[18] Dupuy, T.N., et al, S. 679.

[19] Mauer, K., S. 280.

[20] Mauer, K., S. 321.

So auch Utley, R.M., S. 128.

[21] Utley, R.M., S. 131.

[22] Dupuy, T.N., et al, 200/201.

[23] Utley, R.M., S. 131.

So auch Mauer, K., S. 322.

[24] Mauer, K., S. 323.

[25] Mauer, K., S. 323.

[26] Utley, R.M., S. 149.

[27] Mauer, K. S. 323.

[28] Utley, R.M., S. 149.

[29] Mauer, K., S. 291.

[30] Dupuy, T.N., et al, S. 506.

[31] Mauer, K., S. 324.

[32] Mauer, K., S. 291.

[33] Mauer, K., S. 75.

[35] Mauer, K., S. 325.

[36] Mauer, K., S. 326.

[37] Mauer, K., S. 326.

[38] Maur, K., S. 327.

[39] Utley, R.M., S. 144.

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