Tashunka Witko: Der Hass der US-Generäle

Tashunka Witko: Der Hass der US-Generäle

Tashunka Witko (übermütiges Pferd, bei den Amerikanern als Crazy Horse bekannt), 1840 am South Cheyenne River oder Rapid Creek geboren, wurde in seiner Jugend aufgrund seiner Lockenhaare durch die Oglala-Lakota der Lockige genannt. Ursprünglich hiess sein Vater Tashunka Witko.[1] Als sein Sohn aufgrund seines Mutes in den Kämpfen mit den Arapaho mit 18 Jahren diesen Namen erhielt, änderte der Vater seinen Namen. Namensänderungen dieser Art waren bei den Lakota üblich.

Indianischer Pferdesattel

1854 wurde Tashunka Witko zum ersten Mal Zeuge einer Auseinandersetzung der U.S. Army mit Brulé-Lakota bei Fort Laramie. Ein Jahr später verfolgte er die Vernichtung eines Lakota-Lagers (Brulé-Lakota) durch die U.S. Army.

Unter Häuptling Red Cloud führte Tashunka Witko 1866 eine Streitmacht von Lakota (Oglala und Minneconju) und Cheyenne gegen die Soldaten von Colonel Carrington im Fort Phil Kearny.[2] Am 21. Dezember 1866 befahl Colonel Carrington die Entsendung eines Detachements unter dem Kommando von Captain William Fetterman für den Schutz einer Holzfällergruppe ausserhalb des Forts gegen die Angriffe der Lakota. Den Befehl von Carrington, in Sichtweite des Forts zu bleiben, missachtete der Captain. Er entfernte sich vom Fort und wurde durch eine Streitmacht von Tashunka Witko in einem Hinterhalt überrascht. Der Captain und seine Leute wurden alle niedergemacht. Der anhaltende Guerillakrieg von Tashunka Witko zwang die U.S. Army im mit Red Cloud abgeschlossenen Vertrag in Fort Laramie zur Räumung der Forts Reno, Phil Kearny und C.F. Smith am Powder River und zur Anerkennung der Bildung der Great Sioux Reservation durch die Regierung in Washington D.C.

Nach einer Erkundung durch eine Abteilung des 7th Cavalry Regiment unter Führung von Lieutenant Colonel George Amstrong Custer in den Black Hills, für die Lakota der heilige Berg Paha Sapa, wurde im Frühjahr 1875 gezielt die Nachricht verbreitet, dass in den Black Hills enorme Goldvorkommen lagern würden. Die Regierung versuchte die Lakota zum Verkauf der Black Hills zu zwingen. Die Verhandlungen scheiterten. Nun stellte Washington D.C. den noch ausserhalb der Reservation lebenden Lakota das Ultimatum, bis zum 31. Januar 1876 in die Reservation zu ziehen. Dieses Ultimatum konnten die Lakota aufgrund der Tatsache, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt in ihren Winterlagern aufhielten, nicht erfüllen. Die Regierung entschied das Problem militärisch zu lösen.

Am 7. Februar 1876 erhielt Lieutenant General Philip Henry Sheridan, Kommandeur des Wehrbereiches Missouri, vom Kriegsministerium den Auftrag, die militärische Operation gegen die freien Lakota zu planen und zu leiten. Mit der Ausführung der Operation gegen das Siedlungsgebiet der freien Lakota im Quellgebiet des Powder, Tongue, Bighorn und Rosebud beauftragte er die Brigadier General George Crook und Alfred H. Terry, sowie Colonel John Gibbon.[3] General Terry war Lieutenant Colonel Custer mit dem 7th Cavalry Regiment unterstellt.

Ende Februar setzte sich die Streitmacht von Crook mit über 1’000 Kavalleristen, Infanteristen und indianischen Söldnern von Fort Laramie über Fort Fetterman Richtung Norden in Marsch. General Terry und Lt Colonel Custer zogen von Fort Abraham Lincoln Richtung Südwesten und Colonel Gibbon mit 700 Mann von Montana Richtung Osten.

Tashunka Witko hatte vorgängig seine 1’000 Lakota- und Cheyenne-Krieger in der Taktik des Guerillakrieges ausgebildet. Als am 17. Juni 1876 Crook die Streitmacht von Tashunka Witko angriff, wichen die Indianer dem Angriff von Crook zuerst aus. Anschliessend griffen sie die Soldaten gezielt in die schlecht geschützten Flanken an. Die Gefechtsformation von Crooks Soldaten löste sich auf. Tashunka Witko zwang Crook zum Rückzug bis zu seinem Stützpunkt am Goose Creek. Nun zog der Häuptling mit seiner Streitmacht zum grossen Lager am Little Big Horn.[4]

Am 24. Juni wurden die Häuptlinge über den Vorstoss von Custer informiert. Mit seinen Schwadronen griff der Stellvertreter von Custer, Major Reno, am 25. Juni das Lager im Süden an. Er wurde zurückgeschlagen. Nun richtete sich die indianische Streitmacht auf die fünf Schwadronen von Custer aus, die sich dem grossen Lager näherten. Bevor Custer das Signal zum Angriff erteilte, hielt ein Sperrfeuer von Cheyenne-Kriegern den Vorstoss der fünf Schwadronen von Custer auf. Häuptling Gall von den Hunkpapa-Lakota griff mit seiner Streitmacht frontal an. Tashunka Witko führte einen Flankenangriff aus und Häuptling Two Moon ergänzte diesen durch die Umfassung der Schwadronen. Custer und seine abgesessenen Kavalleristen waren sehr bald umzingelt und wurden bis auf den letzten Mann niedergemacht.[5]

Um der Rache der U.S. Army zu entgehen, lösten die Häuptlinge nach diesem Sieg das Lager auf und zogen mit ihren Angehörigen in verschiedene Richtungen. Unerbittlich verfolgten die Generäle die fliehenden Lakota. Ein Lager nach dem andern musste, sofern es durch de U.S. Army nicht vorgängig vernichtet wurde, aufgeben. Der einzige Häuptling, der entkam, war Tatanka Iyotanka (Sitting Bull), der mit seinen Hunkpapa nach Kanada floh. Tashunka Witko kapitulierte mit seinen halbverhungerten Oglala Ende April 1877 freiwillig in Fort Robinson. Am 8. Mai erschien er mit seinen Leuten in der Reservation am Powder River.[6] Was nun folgte ist bis heute nie richtig aufgeklärt worden. Offenbar weigerte er sich, Krieger für die Verfolgung der Nez Percé-Indianer von «Chief Joseph» abzugeben. U.S.-Offiziere setzten einen Preis auf seinen Kopf aus. Intrigen, auch unter den Lakota, wurden gegen ihn geschürt. General Crook liess ihn verhaften. Am 5. September 1877 wurde er nach Fort Robinson verlegt. Bei dieser Verlegung kam es zu einem Handgemenge. Offenbar stiess Private William Gentles sein Bajonett in den Bauch von Tashunka Witko. Er wurde damit kaltblütig getötet.[7]

In der Nacht vom 6. September 1877 verstarb der aufgrund seiner militärischen Erfolge von den US-Generälen, so insbesondere Sheridan und Crook, am meisten gehasste Häuptling der Lakota mit 37 Jahren.[8] Seine Eltern bestatteten seinen Leichnam an einem bis heute unbekannten Ort.

 

[1] Mauer, K., Das neue Indianer Lexikon, Die Macht und Grösse der Indianer bis zu ihrem Untergang, Langen Müller, München, 1994, S. 72.

[2] Mauer, K., S. 73.

[3] Mauer, K., S. 73.

[4] Mauer, K., S. 74.

[5] Mauer, K., S. 74.

[6] Mauer, K., S. 75.

[7] Powers, Th., The Killing of Crazy Horse, Vintage Books, New York, 2010, S. 432.

[8] Mauer, K., S. 75.

Schreibe einen Kommentar